Die Pfarrei St. Vitus ist die größte Pfarrei des Pfarrverbandes und gleichzeitig auch seine Namensgeberin. Neben der Hauptkirche St. Veit gibt es die Stadtkirche St. Johann am Neumarkter Stadtplatz, daneben die Filialkirchen Mariä Himmelfahrt in Elsenbach, St. Martin in Feichten, St. Lampert in Lamprechten, St. Lorenz in Kinning und die Wallfahrtskirche Maria Einsiedeln in Teising. In allen Kirchen werden regelmäßig Gottesdienste gelesen.

Die Pfarrkirche St. Vitus thront seit Jahrhunderten hoch auf dem Vitusberg. Am Eingang des Rottals gelegen, ist sie das Wahrzeichen der Stadt Neumarkt-St.Veit. Einst war St.Veit eine Klosterkirche, zuerst im Jahre 1132 in Elsenbach geweiht, machten wirtschaftliche Aspekte schon wenige Jahrzehnte später die Verlegung des Klosters samt Kirche auf den Vitusberg beim damaligen Neumarkt an der Rott notwendig. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit florierte das Benediktinerkloster St.Veit, mit Brauerei und eigener Schule. Im Jahr 1802 war St.Veit die erste bayerische Abtei, die sich Minister Maximilian Graf Montgelas selbst zur Säkularisierung anbot. Ein kluger Schachzug, der wenigen verbliebenen Mönche, denn nur so konnte der barocke Baubestand der Klosteranlage weitgehend gesichert und erhalten werden.

Und noch einmal hatte St.Vitus wahrlich historisches Glück: Im Glockenturm hängen noch heute die Originalglocken aus dem Jahr 1709. Die größte davon, die Vitusglocke, bringt 1920 Kilogramm auf die Waage und wird nur zu besonderen Anlässen geläutet. Wie viele andere Gemeinden auch, musste Neumarkt-St.Veit während des Zweiten Weltkriegs die Glocken abliefern. Sie sollten eingeschmolzen werden. Wie durch ein Wunder, blieb das den Neumarkter Glocken erspart, sie wurden nach dem Krieg wiedererkannt, und kamen 1948 zurück nach St.Veit.

Baugeschichtlich hat St.Veit von allem etwas: ein bisschen Romanik, ein bisschen Gotik und ein bisschen Barock. Kirchen- und Klosterbrände der Jahre 1504, 1617, 1639, 1686 und 1708 sowie kriegerische Plünderungen 1648 und 1706 brachten Um- und Anbauten, Neuausstattungen und Wiederentdeckungen im Kircheninneren und Äußeren mit sich. Die Pfarrkirche ist dem Heiligen Vitus geweiht und feiert ihr Patrozinium am 15. Juni.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Schritt für Schritt die frühbarocke Innenausstattung entfernt und durch eine dem Verständnis der Zeit entsprechende neugotische Gestaltung ersetzt. Spätgotische Figuren und andere Dinge, die noch im Fundus aus vergangenen Zeiten vorhanden waren, wurden wiederverwendet. Im Presbyterium herrscht bis heute Barockstil vor. Der mehr als 13 Meter hohe Marmorhochaltar des Salzburger Bildhauers Jakob Mösl prägt den Chorraum. Er stammt aus dem Jahr 1739. Das Altarbild von stammt von Johann Nepumuk della Croce und zeigt die Marter des kindlichen Vitus in siedendem Öl. In sechs großen Wandbildern ist im Chorraum zudem die Lebens- und Leidensgeschichte des Heiligen Vitus dargestellt. Ein ovales Gemälde an der Spitze des Hochaltares erinnert auf die Klostergründung. Der Altar wird flankiert von zwei frühklassizistischen Figuren in Gold: dem Heiligen Rupert und Vitalis. Das ursprünglich frühbarocke Chorgestühl erscheint dem Besucher heute in seinem Dekor stark reduziert. Nördlich ans Presbyterium angebaut wurde die Anna- oder Luciuskapelle. Dort ruht im Reliquienaltar der Leib des Heiligen Lucius. Der Heilige Lucius gehört zu jenen Katakomben-Heiligen, die vor allem während des Barock große Verehrung erfuhren. Die Gebeine wurden im 17. Jahrhundert der Kalixtus-Katakombe in Rom entnommen und kamen 1694 nach St. Veit.

 

Bereits im Jahr 788 wird eine Kirche auf dem Johannesplatz nachgewiesen. Heute der geschäftige Stadtplatz von Neumarkt-St. Veit, ist der Friedhof darum längst aufgelassen, einzelne Pfeilerreste in angerenzenden Gebäuden lassen seine Größe noch erahnen. Die Stadtkirche St. Johann ist Johannes dem Täufer geweiht. In ihrer heutigen Form ist die Kirche ein spätgotischer Nachfolgerbau des bereits 788 erwähnten Gotteshauses. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Bei ihrem Bau wurden ältere Mauerteile mit- und wiederverwendet: das heute ins Westjoch einkragende Turmgeschoß und der geringfügig aus der Mittelachse verschobene Chor erinnern noch heute an den ursprünglichen Bau. Sein Patrozinium feiert St. Johann am 24. Juni.

Am 12. August 1269 beurkundete Heinrich XIII, Herzog von Landshut, den „neuen Markt an der Rott“ auf dem Gebiet eines damals schon unter dem Namen Wolfsberg bekannten Dorfes, als seine neue Gründung. 1454 stifteten die Neumarkter Bürger ein Gotteshaus, welches bis ins Jahr 1691 seine Eigenständigkeit gegenüber dem nahegelegenen Kloster St. Veit behaupten konnte.

Für das Jahr 1725 sind Umbaumaßnahmen am Kirchenturm belegt, die der Neumarkter Kirchenbaumeister Sylvester Mayrhofer vornahm. In den Jahren 1873 bis 1881 wurde St. Johann regotisiert. Der einst barocke Zwiebelsturm wurde durch einen spitz-zulaufenden Nachfolger ersetzt, der auch heute noch das Bild am Stadtplatz von Neumarkt-St.Veit prägt. Auch innen hat sich St. Johann ab dieser Zeit verändert: Bei der Regotisierung Ende des 19. Jahrhunderts verschwand vieles, was an den barocken Kern erinnerte. Von der barocken Innenausstattung haben sich lediglich zwei Altarblätter erhalten: des in St. Johann früh verehrten Heiligen Johann Nepomuk und des Heiligen Antonius Eremita als Bruderschaftsbild. Ein kleines Mosaik im Fußboden, am Eingang zur Sakristei, erinnert noch heute an die Fertigstellung der Baumaßnahmen im Jahr 1881.

Künstlerisch verfügt St. Johann über einige Besonderheiten, für die sich der Besucher Zeit zum Betrachten nehmen sollte. Gleich ins Auge sticht die Buntglas-Darstellung des Heiligen St. Martin, die sich rechts vom Hochaltar befindet. Sie wurde 1972 dort eingelassen. Ursprünglich stammt die leuchtende Martinscheibe jedoch bereits aus dem Jahr 1490. Der Hochaltar entstand im Jahr 1873. Dort dargestellt ist die Taufe Jesu im Jordan. Der Altar steht damit in der Tradition der frühen Vorgänger-Taufkirche an jenem Ort. Und noch etwas muss man in St. Johann gesehen haben: Über der Sakristeitüre im Chor befindet sich das älteste, gobelinartig wirkende Fresko in der gesamten Region. Das einmalige Fresko zeigt die Anbetung der Heiligen drei Könige vor einem reichen Landschaftshintergrund. Die Darstellung gehört dem sogenannten „weichen Stil“ an und lässt Parallelen zur oberitalienischen bzw. südtiroler Malerei des Quattrocento erkennen, weswegen Kunsthistoriker davon ausgehen, dass es in den Jahren 1430 bis 1440 (?) von einem Wandermaler gefertigt wurde.

 

Für die Gemeinde Elsenbach hat sich die Geschichte im Laufe der letzten Jahrhunderte umgedreht. Heute nur noch Filialkirche von St.Veit, war Elsenbach der ursprüngliche Gründungsort des Klosters und der dazugehörigen Kirche. So taucht der Name der kleinen Ortschaft noch heute in den Geschichtsbüchern auf und hat andererseits auch weithin tragende Bedeutung für die Kunstgeschichte: Mariä Himmelfahrt Elsenbach ist wegweisendes Beispiel für eine sogenannte Wandpfeilerkirche mit Zweirippenfiguration. Der Kircheninnenraum wirkt ruhig auf den Besucher und ausgewogen. Das liegt vor allem am Grundriss der Kirche, der ein vollkommen gleichschenkeliges Dreieck zu Grunde liegt.

Der Backsteinbau erhielt außen am Chor sechs Strebepfeiler, die Sakristei an der Südseite wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts erweitert. Der Westturm trägt heute nicht mehr seine ehemalige Barockzwiebel aus dem Jahr 1766, sondern ein einfaches regotisiertes Satteldach. Die Regotisierung des gesamten Baus erfolgte zwischen 1865 und 1868. In jüngerer Zeit wurden Renovierungen außen (1977) und innen (1978) durchgeführt. Das Patrozinium wird am 15. August gefeiert.

 

Der kleine Ort Feichten liegt etwa drei Kilometer in nördlicher Richtung von Neumarkt-St.Veit entfernt an der Bundesstraße, die nach Landshut führt. Die Kirche St. Martin, mit ihrem gotischen Baukern (entstanden etwa um 1460/70), steht in Landshuter Bautradition. In der Sakristei ist ihr ursprüngliches Rippengewölbe noch heute bewahrt. Der ursprünglich gotische Turm im Norden trägt heute eine Barockzwiebel aus dem Jahr 1729. Der Neumarkter Baumeister Sylvester Mayrhofer musste an St.Martin einen umfassenden Umbau – im damals üblichen Barockstil – vornehmen, nachdem ein verheerendes Feuer einen großen Teil de Dorfes und auch die Kirche zerstört hatte. So entstanden in den Jahren 1728 und 1729 spitze Schildbögen im Chor sowie Pfeiler mit abgeschrägten Ecken, ionische Pilaster wurden vor die einst gotischen Wandpfeiler im Langhaus gesetzt. 1984 wurde ein Deckenfresko aus dieser Umbauzeit im Chorraum wiederentdeckt: Es zeigt den Kirchenpatron St. Martin als Reiter und Mantelspender.

Was die Glocken betrifft, hatten Feichten nicht so viel Glück die Neumarkt-St.Veit. Die alten Glocken mussten 1942 abgeliefert werden und kamen nicht mehr zurück. Sie wurden im Jahr 1950 durch drei neue Glocken ersetzt. St. Martin feiert sein Patrozinium am 11. November.

In der Kriegerkapelle befindet sich die Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten beider Weltkriege. Einen besonderen Platz hat darin eine Gedenkplatte welche an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert. Es handelt sich um eine Platte mit den Namen von 21 der insgesamt 24 jungen Feichtner,
Fraßbacher und Teisinger Männer, die ihr Leben vor 100 Jahren während des Ersten Weltkriegs verloren haben und meist an den Kriegsschauplätzen in Frankreich und Belgien beerdigt wurden.
Um den Angehörigen ein würdiges Gedenken für ihre Söhne, Ehemänner und Väter zu ermöglichen, haben die damaligen Gemeindeväter um Feichtens Bürgermeister Johann Hausberger im Jahr 1920 eine Erinnerungsstätte geschaffen. Sie entstand im ehemaligen Beinhaus die Kriegerkapelle.
Zum 100. Jahr des Kriegsbeginns im Jahr 2014 ließen die Gemeinde Feichten, die Stadt Neumarkt-Sankt Veit mit Unterstützung von der Familie Lorenz und Vroni Bauer und der Freiwilligen Feuerwehr Feichten die Tafel erneuern.

 

Teising war bis ins ausgehende 19. Jahrhundert ein blühender Marienwallfahrtsort. Die Wallfahrtskirche Maria Einsiedeln verdankt ihre Entstehung als Votiv- und Gruftkirche dem Teisinger Schlossherren Nikasius Ottheinrich Magensreiter (gestorben 1643). Die Krankheit seiner Frau bewegte ihn zu einer Wallfahrt nach Maria Einsiedeln in der Schweiz. Dort gelobte er, oberhalb seines Schlosses eine Kirche zu errichten, falls seine Frau wieder gesund wird. Sie wurde, und Nikasius baute wie versprochen die Kirche. Die Grundsteinlegung erfolgte am 11. August 1625, die Weihe knapp ein Jahr später. Innen wie außen ist Maria Einsiedeln ihrem Schweizer Vorbild nachempfunden: Der Gnadenaltar ist die Nachbildung der Einsiedel-Madonna in Holz unter einem Metallbaldachin.

Ab 1634 erhielt Teising eigene Wallfahrtspriester. Höhepunkte der Wallfahrt waren die Säkularfeiern in den Jahren 1726 und 1826. Die Blüte der Wallfahrt im 18. Jahrhundert führte zum Bau eines hölzernen Brunnenhauses, der Christi-Rast-Kapelle, einem barocken Zentralbau aus dem Jahr 1726 sowie eines Kalvarienbergs im Freien, wo noch heute zum Patrozinium am 15. August ein Festgottesdienst mit anschließender Lichterprozession gefeiert wird.

 

Westlich von Neumarkt-St.Veit liegt die kleine Kirche St.Lampert. Sie hat dem Ortsteil Lamprechten seinen Namen gegeben. Das Patrozinium wird dort am 17. September gefeiert. Schon im Jahr 933 ist an derselben Stelle ein Gotteshaus erwähnt. Der jetzige Bau gehört jedoch einem Nachfolgerbau aus dem 15. Jahrhundert an, enthält aber auch noch ältere Teile. Der Westturm trägt eine Glocke aus dem Jahr 1482. Der Baustil des Turms verweist auf den Neumarkter Maurermeister Sylvester Mayrhofer. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat er in den 1730er Jahren den Turm ähnlich dem der Stadtkirche St. Johann im Barockstil umgestaltet.

In Innenausstattung in ländlichem Rokoko muss nach 1750 erfolgt sein. Das Hochaltarbild stammt von einem unbekannten Maler und zeigt die Glorie des Heiligen Bischofs Lampertus. Das beachtlichste, kunsthistorisch wertvollste Stück, befindet sich im nördlichen Seitenaltar: Eine Holzskulptur des thronenden St. Rupert.

St. Lampert wurde zuerst 1950/51 renoviert, etwa zehn Jahre später auch außen in Stand gesetzt. Die letzte Gesmatrestaurierung fand im Jahr 1977/78 statt.

 

Die Filialkirche St. Lorenz in Kinning (Patrozinium am 10. August) liegt im Osten von Neumarkt-St.Veit auf freier Flur, direkt an der Straße, die von der Rottstadt Richtung Massing und Eggenfelden führt. Das kleine Kirchlein besaß einst einen Pestfriedhof, der im Jahr 1722 aufgelassen wurde und von dem heute nichts mehr zu erkennen ist. Dort, weit vor den Toren der Stadt, wurde die bis 1649 dahingeraffte Bevölkerung begraben, außerdem auch aus der Bevölkerung Ausgestoßene und Hingerichtete.

Umfassende Neugestalungsmaßnahmen sind für das Jahr 1667 belegt. An der Süd- und Ostseite erscheinen noch ältere Bogenfriesblenden, eine barocke Flachdecke schließt das Langhaus. Erst im Jahr 1981 wurden im Rahmen einer Generalrenovierung durch die Brüder Lauber im Innenraum gotische Fresken freigelegt. Sie zeigen unter anderem im Chorgewölbe einen Weltenrichter-Christus in der Mandorla, von Engeln gehalten, die Kirchenväter Gregor und Hieronymus sowie die Evangelistensymbole. Die Fresken datieren wohl um 1410/20 und werden dem Salzburger Kunstkreis zugeschrieben. Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1736, die Laurentiusfigur darin ist bereits klassizistisch.